Neuigkeiten/Presse
31.07.2017, 09:24 Uhr
Von Haien und Pavianen

Als unsere Kinder noch klein waren gingen wir oft und gerne in den Zoo nach Frankfurt. Dabei durfte es auch mal etwas gruselig und unheimlich sein, weshalb die Abteilungen mit Schlangen, Spinnen oder Krokodilen sich besonderer Beliebtheit erfreuten.

Dr. Eberhard Klüber (Fraktionsvorsitzender)

 

Mich persönlich hat der Hügel mit der Paviangruppe besonders beeindruckt. Dort thronte das dominierende Pavianmännchen auf der Spitze und beobachtete seinen Harem und von Zeit zu Zeit auch die zahlreichen Besucher und Beobachter. Nur durch einen schmalen Wassergraben getrennt hatte ich manchmal den Eindruck, als wollte der Pavianmann etwas mit mir besprechen. Mit anhaltendem Blickkontakt kam zwischen uns die Frage auf, wer denn auf der „besseren" oder „richtigen" Seite des Wassergrabens war. Beim Weggehen erinnere ich mich noch an die beiden Tierpfleger, die den Käfig der Paviane reinigten und an die große Schale mit exotischen Früchten für das Abendessen der Tiere. Damals war ich mir sicher, wie sich der Pavian bei der Alternative zwischen Freiheit im Urwald und „all inclusive – full service" im Zoo entscheiden würde.

Aktuell kommt jetzt in Pfungstadt die Frage auf, ob man denn Haie - die freien Bewohner der Weltmeere - in ein vergleichsweise kleines Aquarium „einsperren und zur Schau stellen" darf. Man ist dann sehr schnell bei grundsätzlichen ethischen, moralischen Fragestellungen inwieweit wir Menschen denn Tiere nutzen oder gar benutzen dürfen.

Dabei denke ich sofort an Millionen von Hausschweine, die mit ausgefeilter Technik und Betreuung dazu gebracht werden möglichst schnell und ausschließlich deshalb zu wachsen, damit wir sie anschließend essen können. Wissen unsere Kinder immer woher die wohlschmeckenden und unverdächtig aussehenden Fischstäbchen ursprünglich stammen? Ist es die Bestimmung der Pferde Stadtbewohner durch die Landschaft oder gar über Hindernisse zu tragen?

Zu all diesen Fragen habe ich leider keine abschließenden Antworten. Ich sehe aber engagierte Menschen mit missionarischem Eifer die sich - zumindest was die Haie betrifft - klar und eindeutig festgelegt haben. Manchmal beschleicht mich dann der Gedanke: „Was hätte man mit diesem Einsatz und dieser Energie alles für pflegebedürftige Senioren oder entwurzelte Flüchtlinge erreichen können?".

Offenbar aber ist die Welt nun mal so unvollkommen wie sie eben ist. Ich jedenfalls werde mir die Haie ansehen, wenn sie durch das versprochene „5-Sterne" Aquarium von Pfungstadt gleiten und sie vielleicht mit mir „Blickkontakt" aufnehmen und wir dann den Versuch starten können zu entscheiden, wer denn auf der „besseren" Seite der Scheibe ist.

Dr. Eberhard Klüber
(Fraktionsvorsitzender der CDU Pfungstadt)